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Archiv für Beiträge die mit »Bundesregierung« getaggt wurden:

Schwarz-Gelb-Groß

Innen & Außen, 18. Januar 2010 um 19:28 Uhr, Michael

Die neue schwarz-gelbe Bundesregierung hat einen richtigen Fehlstart hingelegt. Denn obwohl aus der Bundestagswahl im September die Wunschkoalition aus CDU, CSU und FDP hervorging, vermitteln die Parteien den Eindruck von Zerstrittenheit und schlechter Leistungsfähigkeit. Der alte Vorwurf der Führungsschwäche der Kanzlerin Merkel wird wieder lauter. Das alles klingt wirklich nicht nach einem gelungenen Start einer Wunschkoalition, die Deutschland gestärkt aus der Krise führen soll.

Dass die Koalitionspartner ein Führungsproblem haben, zeigt sich in den ersten Tagen dieses neuen Jahres besonders deutlich. Da streiten sich zum Beispiel FDP und CSU um eine Vizekanzlerschaft der CSU. Oder aber um die Besetzungen eines Postens in der Vertriebenen-Stiftung. Und dann ist da natürlich noch das heikle Streitthema Steuersenkungen. Aus allen Parteien kommen Bedenken und Zweifel, wie man bei Rekordverschuldung, Einnahmeausfällen und Ausgabenerhöhung auch noch Steuerentlastungen finanzieren soll. Doch die FDP und allen voran Parteichef Westerwelle predigen ihr Wahlversprechen. Und das ist auch ganz verständlich. Die FDP ist wohl maßgeblich wegen ihres Versprechens der Steuersenkung gewählt worden. Die Partei und auch Guido Westerwelle will es nicht riskieren, das Gesicht zu verlieren und sich einzugestehen, dass Steuersenkungen in der nächsten Zeit nicht zu finanzieren sind. Die Klientelpartei FDP würde auf einen Schlag ihren Zuspruch verlieren, zu einem Zeitpunkt, in dem die FDP selbstbewusst ist und auf Augenhöhe mit der CDU stehen möchte.

Um den Eindruck der Zerstrittenheit zu zerstreuen und wieder mehr Disziplin in die Regierungsarbeit einfließen zu lassen, haben sich die drei Spitzen von CDU, CSU und FDP am Sonntag im Kanzleramt zu einem klärenden Gespräch getroffen. Welches Ergebnis dieses Treffen gebracht hat, darüber schweigen die Anwesenden einheitlich. Zumindest in diesem Punkt hat man wohl zu mehr Disziplin gefunden. Lediglich Horst Seehofer hat verlauten lassen, dass es ein ergebnisorientiertes Treffen war. Doch was mag das schon heißen. Womöglich wird man im Laufe der Woche mehr erfahren, wenn sich Merkel, Seehofer und Westerwelle erneut treffen um weitere Streitpunkte aus dem Weg zu räumen.

In diesem Punkt kann man der Kanzlerin wohl wirklich eine Führungsschwäche vorwerfen. Dass Frau Merkel einen präsidialen Führungsstil bevorzugt ist hinlänglich bekannt. Einen solchen Führungsstil erforderte die Führung einer Große Koalition aus zwei gleich starken Koalitionspartnern. In Zeit der Krise allerdings, und so wurde es im Wahlkampf auch versprochen, ist beherztes und energisches Anpacken gefragt. Einen solchen Regierungsstil vermisst man jedoch aktuell. Dabei hat es die Bundeskanzlerin dieses mal viel einfacher. Als Chefin der stärksten Partei in der Regierungskoalition kann sie ihre Richtlinienkompetenz sehr viel einfacher durchsetzen. Mit Partnern wie der geschwächten CSU und der kleinen FDP könnte Angela Merkel der Regierungsarbeit einen viel deutlicheren CDU-Anstrich verleihen. Doch das genaue Gegenteil ist der Fall.

Vergleicht man nun rückblickend den Start und die Regierungsarbeit der Großen Koalition mit dem der Schwarz-Gelben Koalition, könnte man meinen, wir befänden uns im Jahr 2005. All dieses Verhalten, die fehlende Disziplin, das Geschrei und  den Hick-Hack hätte man von einer Großen Koalition erwartet. Nicht jedoch von einer Wunschkoalition aus Union und FDP. Scheinbar regiert hier eine Schwarz-Gelb-Große-Koalition.

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Ungleiche Partner

Wirtschaft & Steuern, 06. Januar 2010 um 0:59 Uhr, Michael

Das Parteiensystem in der Bundesrepublik hat sich in den letzten Jahren merklich geändert. Von einem DreiVier-Parteien-System ist es zu einem Fünf-Parteien-System angewachsen. Mit der inzwischen nicht mehr ganz so neuen Situation hat sich auch das Verhältnis der Parteien untereinander verändert. Fungierte die FDP früher als Mehrheitsbeschaffer wahlweise in einer sozialliberalen oder christlich-liberalen Koalition, so fühlt sie sich heute in der Schwarz-Gelben Koalition als gleichwertiger Partner neben der CDU. Sichtbar wird dies auch im Koalitionsvertrag, dem man eine deutliche liberale Prägung ansehen kann.

Doch ist die FDP ein gleichberechtigter Partner neben der CDU und CSU? Zumindest was die CSU und die FDP angeht, so scheinen sich beide deutlich von einander abzuheben. Deutlich wird das unter anderem auch am Geplänkel zwischen beiden Partner vom Wochenende.

Wenn man sich nun entscheiden müsste, wer von den beiden als Sieger und sozusagen als stärkerer Partner der CDU dasteht, so fiele die Wahl wohl auf die FDP. Diesen vermeintlichen Sieg erreicht die FDP nun leider nicht durch ihr Personal. Dafür hat die CSU mit Verteidigungsminister zu Guttenberg einfach einen zu charismatischen und profilierten Politiker in ihren Reihen. In seinem Ansehen liegt dieser laut der Forschungsgruppe Wahlen noch vor Kanzlerin Merkel in der Wählergunst. Weit abgeschlagen folgen erst später Rösler und Westerwelle als einzige FDP-Politiker.

Die FDP gewinnt durch ihr Aufstellung bei den Themen. Mit ihrer seit Jahren propagierten Steuerreform hat sie ein sehr starkes Druckmittel, um auf die CDU Einfluss zu nehmen. Da das Thema sehr populär ist, auch gerade jetzt in der Wirtschaftskrise, wird sie viel Druck auf die Kanzlerin und ihre CDU ausüben können. Wenn es denn auf Grund der desolaten Haushaltslage zu keiner  großen Steuerreform kommen wird, so wird sich die FDP doch mit ihrem Verlangen nach Steuerentlastungen durchsetzen können. Hinter der FDP steht der Wähler, aus der Mittelschicht und aus der CDU. Hinter der CSU steht kaum jemand. Heribert Prantl hat dazu und bezüglich der innerparteilichen Kritik am Steuerreformkurs der FDP sehr gut zusammengefasst: “Bei der FDP bröselt es nur; die CSU fällt auseinander.”

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Vertrauen in die Politik?

Wirtschaft & Steuern, 12. Juni 2009 um 18:46 Uhr, Michael

Es gibt mal wieder Streit in der Regierung. Nachdem der Mischkonzern Arcandor einen Insolvenzantrag gestellt hat und nun vermutlich zerschlagen wird, werfen sich Politiker aus SPD und Union gegenseitig schlechtes Handeln vor. Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier wirft dem Wirtschaftsminister Jobvernichtung vor und greift diesen damit ziemlich heftig an. Er bemängelt auch fehlende Absprachen innerhalb der Regierung. Denn der Arbeitsminister kämpfe für Arbeitsplätze und der Wirtschaftsminister für die Insolvenz. Der Wirtschaftsminister zu Guttenberg wiederum wirft darauf hin dem Kanzlerkandidaten Steinmeier vor, er würde Wahlkampf auf dem Rücken der Mitarbeiter führen.

Antje Sirleschtov behauptet zwar in der ZEIT, dass es gar kein Angriff von Seiten Steinmeiers gegeben hätte. Doch selbst wenn der zitierte Satz des BILD-Interviews aus dem Zusammenhang gerissen ist, so deutet er trotzdem an, dass Steinmeier nicht einverstanden war mit der Insolvenz von Arcandor. In ihrem Artikel spricht die Autorin allerdings noch ein anderes Problem an, welches ich vor einigen Tagen bereits hier aufgegriffen hatte, nämlich das der fehlenden Glaubwürdigkeit bzw. Unzuverlässigkeit der SPD.

Doch das Problem der Glaubwürdigkeit ist kein generelles Problem der SPD. Sie leidet momentan besonders darunter, doch auch die Bundesregierung und somit die CDU/CSU leiden daran.

Der Fall Arcandor macht als Beispiel vor allem eins deutlich: Die Kriterien für die Vergabe von Staatshilfen sind undurchsichtig und nicht nachvollziehbar. Wieso bekommt Opel Staatsgeld, Arcandor aber nicht? Die Kanzlerin kann diese Frage nicht schlüssig beantworten. Damit aber verspielt sie als Kanzlerin Glaubwürdigkeit. Unternehmen, die Hilfe aus dem Deutschlandfonds beantragt haben können nicht sicher sein, ob ihnen geholfen wird. Wie aber soll man eine solche Krise durchstehen, wenn die Politik anstatt der Wirtschaft zu helfen, sich lieber auf einen Wahlkampf und genseitige Angriffe einlässt? Das soll nicht heißen, dass jedes Unternehmen ausnahmslos unterstützt werden sollte. Viel mehr sollte nach klaren und offenkundigen Kriterien über Hilfen entschieden werden. Wenn die Hilfen aber zu einem Politikum verkommen, hilft das Deutschland nicht aus der Krise zu kommen. Es bedarf mehr Klarheit und Sicherheit um die Krise bewältigen zu können und gestärkt aus ihr hervor zu gehen.

Arcandor und der Umgang der Regierung mit dem Thema zeigt, dass die Regierung nicht geschlossen an der Lösung von Problemen arbeitet. Die Kanzlerin hält sich wieder einmal komplett im Hintergrund und lässt ihre Minister den Wahlkampf offen austragen. Die Regierungsarbeit und der Umgang mit der Krise wird dadurch nicht glaubwürdiger. Die Regierungsarbeit wird ineffektiver und das könnte Deutschland und auch der Regierung schaden. Hauptsächlich aber schadet das dem Vertrauen in die Fähigkeiten der Regierung. Das wiederum könnte einen erheblichen Einfluss auf den Ausgang der Bundestagswahl im September haben

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Neuwahlen wären absurd

Allgemeines, 23. März 2009 um 22:10 Uhr, Michael

Guido Westerwelle, Chef der Freien Demokratischen Partei, sorgt zur Zeit für einigen Wirbel in der Großen Koalition. Er hat am Wochenende der Bundesregierung vorgeschlagen, man solle die Bundestagswahl doch vorziehen. Am besten auf den 7. Juni, den Tag der Europaparlamentswahl. Auch die CSU, allen voran ihr Parteichef Horst Seehofer, reiht sich hinter Guido Westerwelle ein und legt der SPD nahe, man könnte doch auch aus der Großen Koalition ausscheiden. Franz Müntefering hält davon ziemlich wenig und will deshalb die CSU noch bis zum 27. September quälen.

Das ganze Schauspiel gleicht einer tragischen Komödie mit dem Unterschied, dass der Besucher nicht ohne weiteres gehen kann, wenn es ihm zu bunt wird. Was die SPD, CDU, CSU und die FDP dort auf dem politischen Parkett zur Zeit veranstalten ist bezeichnend für ihre Fähigkeiten, ein Land wie Deutschland zu regieren. Die Forderung von Herrn Westerwelle ist nichts weiter als stupider populistischer Wahlkampf. Er degradiert damit die Arbeit der Großen Koalition, hat aber selber keine besseren Problemlösungsvorschläge parat. Außer seiner alten Leier von den Steuersenkungen, die aber angesichts Rekordverschuldung keine Chance auf Realisierung hat. Das sollte Herr Westerwelle mit seiner FDP endlich einsehen. Auch der Wähler wird es verstehen, wenn es durch die Finanzkrise keine Steuererleichterungen in nächster Zeit mehr geben wird. Was das Wählervolk wirklich will sind pragmatische und schlüssige Konzepte zur Abwehr und Überwindung der Krise. Keine Märchen und Hirngespinste.

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Die Datensammelwut der Bundesregierung

Innen & Außen, 23. Februar 2009 um 16:09 Uhr, Michael

Wolfgang Schäuble, bekannt für seine Haltung gegenüber dem Datenschutz des Einzelnen, hat eine neue große Vorratsdatenspeicherung geplant. Laut TAZ plant der Innenminister künftig alle Personen und Organisationen zentral zu speichern, die Ausländer einladen, die ein Visum für ihre Einreise brauchen. Die Datei soll offiziell vor dem Missbrauch bei der Visa-Vergabe schützen. Wenn man die Datei allerdings, wie geplant, mit einer Warndatei vernetzt, in der alle Personen, die schon einmal mit Visa-Missbrauch, Terror oder schweren Drogendelikten in Verbindung gebracht werden konnten, dann merkt man , dass der Schutz vor dem Visumsmissbrauch nur ein Deckmantel ist. 

Mir stellt sich hier die Frage, aus welchem Grund gerade die visumpflichtigen Ausländer zentral gespeichert werden sollen. Deutschland hat durch seine Mitgliedschaft in der EU offene Grenzen zu seinen europäischen Nachbarn. Was aber unterscheidet nun europäische Ausländer von anderen? Hier wird wieder einmal ein Generalverdacht ausgesprochen, der keine Haltbarkeit besitzt. Zudem ist es sehr fadenscheinig, dass plötzlich Bedarf für solch eine Datei besteht. Gibt es seit kurzem eine besonders große Anzahl von Visa-Missbräuchen? 

Nach dem letzten Vorschlag der Union, der Kinder mit Terrorismus in Verbindung bringt, ist das nun der nächste Anlauf, den Datenschutz der Bürger zu beschneiden. Dass die Bundesregierung kein Interesse am Datenschutz der Bürger hat, wird spätestens seit dem Datenskandal der Bahn sichtbar. Man versucht nun ein Arbeitnehmerdatenschutz-Gesetz auf die nächste Legislaturperiode zu verschieben, wohl in der Hoffnung, dass der Skandal bis dahin vergessen ist. Wie die Baden Württembergischen Grünen in ihrem Blog richtigerweise fordern, muss die Regierung endlich Konsequenzen ziehen.

Die Datensammelwut der Bundesregierung, besonders die des Herrn Schäuble, muss ein Ende haben. Der Staat darf seine Bürger nicht permanent unter Verdacht stellen. In dubio pro reo und nicht umgekehrt.

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