Archiv für Beiträge die mit »Automobilbranche« getaggt wurden:
Wrackt die Abwrackprämie ab!
Man mag es kaum glauben, aber es scheint, als würden sich immer mehr Politiker dem öffentlichen Druck nach einer Verlängerung der Abwrackprämie hingeben. So zumindest klingt es in einem Artikel des Tagesspiegels aus dem hervorgeht, dass Politiker aus SPD und CDU dem Vorschlag nach einer Verlängerung offen gegenüber stehen. Als eines der Argumente für eine Verlängerung wird aufgeführt, dass im Februar die Zahl der neu zugelassenen PKW auf dem höchsten Stand seit zehn Jahren war. Das wirkt natürlich positiv und macht einen guten Eindruck beim Wählervolk.Â
In den Fraktionen scheint man allerdings vergessen zu haben, aus welchem Grund man die Abwrackprämie eingeführt hat. Um dem Automobilmarkt einen Impuls zu geben und dadurch für neuen Absatz zu sorgen. Die erhoffte Wirkung ist allerdings ausgeblieben, wenngleich etwas anderes behauptet wird. Denn: Lediglich Hersteller von Kleinwagen profitieren derzeit von der Prämie. So hat beispielsweise BMW verlauten lassen, dass nur rund 4000 Autos mehr durch die Prämie abgesetzt worden sind. Somit hat sich die erhoffte Wirkung nicht eingestellt. Diesen einseitigen Vorteil bemängelt auch der Autoverband VDA.
In meinen Augen ist es zudem falsch und äußerst fahrlässig die Prämie weiter zu verlängern. Der Markt wird durch die Prämie nur überstrapaziert, weil sich nur diejenigen ein Auto kaufen, die es sowieso schon vor hatten. Wenn der Markt in nächster Zeit dann endgültig übersättigt ist, wird sich niemand mehr ein Auto kaufen. Auch nicht, wenn es dafür eine Prämie gibt. Insofern führt die Prämie eine weitere Übersättigung des Marktes nur schneller herbei und wird die Autohersteller danach in eine noch tiefere Krise stürzen. Es muss eine Anpassung bei den Herstellern stattfinden und keine Anpassung des Marktes durch den Staat.  Aus diesem Grund kann die Forderung nur lauten: Keine Verlängerung für die Prämie!
Ich weise hier auch noch auf einen älteren Artikel vom Februar zu dem gleichen Thema hin: Gegen eine Verlängerung der Abwrackprämie
Der Wochenrückblick 3/09 (KW10)
In dieser Woche ist viel passiert. Eines der bestimmenden Themen war wieder ein mal die Rettung Opels. Die Aussichten auf eine Rettung von Opel sind in dieser Wochen stark zurück gegangen. Die Kanzlerin hat sich sehr skeptisch gegenüber einer Rettung Opels durch den Staat geäußert. Grund dafür dürfte wohl auch das schlechte so genannte Zukunftskonzept sein. Jetzt scheint es vor allem an General Motors zu liegen, ob es noch eine Chance auf die Rettung von Opel gibt. Schnelle Hilfe gibt es für Opel scheinbar nicht, denn der Wirtschaftsminister zu Guttenberg will erst während seiner USA-Reise Gespräche mit GM führen.
Ein weiteres Thema in dieser Woche war die tagende Kultusministerkonferenz, die sich hauptsächlich mit dem Problem der Abwerbung von Lehrern beschäftigt hat. Hessen und Baden-Württemberg haben für Unmut gesorgt, da sie sehr aggressiv in anderen Bundesländern um Lehrer geworben haben. Auf der KMK einigte man sich nun darauf, den Streit beizulegen und fortan einen fairen Wettbewerb zu führen. Währenddessen fordert unter anderem die Gewerkschaft GEW, dass der Lehrerberuf attraktiver werden muss um dem Lehrermangel Herr zu werden.
Das dritte große Thema in dieser Woche war die Profilierung der CDU und der CSU. Sowohl von der CDU als auch von der CSU hagelte es in dieser Woche Kritik für Kanzlerin Merkel. Aus der CDU wirft man ihr vor, dass sie der CDU kein richtiges Profil gibt und zu sehr der Großen Koalition verbunden ist. Die CSU wiederum wirft Merkel vor, sie schade mit ihrer Politik dem Partner CSU zu sehr. In der CSU ist man sich seiner Position bewusst und verweist die Kanzlerin darauf, dass die CDU ohne CSU auf Bundesebene prozentual gleichauf mit der SPD liegt. Ihr unklares Profil versucht die CSU gerade auf Kosten der Kanzlerin zu schärfen.
Opel ist noch nicht tot
Nachdem nun Opel der Bundesregierung auch offiziell das so genannte Zukunftskonzept vorgelegt hat, hat sich Wirtschaftsminister zu Guttenberg zum jetzt folgenden Prozedere geäußert. Der Minister hat zu erst einmal klar gestellt, ebenso wie die Kanzlerin, dass man sich nicht unter Druck setzen lässt. Damit hat die Bundesregierung einer schnellen Hilfe für Opel eine Absage erteilt.
Holger Appel hat in einem Kommentar ebenfalls in der FAZ einer Staatsbeteiligung ebenfalls eine Absage erteilt. Die Gründe, die er aufführt sind meiner Meinung nach die wichtigsten und schlagkräftigsten Argumente, gegen eine Staatsbeteiligung. Im Grunde wurden die Argumente schon oft genug wiederholt, doch mir scheint, als gehe es bei Opel gar nicht mehr um Argumente.
Weder die Tatsache, dass der Staat im Zweifel immer der schlechtere Unternehmer ist, noch die Tatsache, dass die Misere von Opel nicht durch die Finanz- und Wirtschaftskrise bedingt ist, scheinen Anklang bei den Regierungsparteien zu finden. Lediglich die FDP scheint als letzte Bastion gegen die Freunde der Verstaatlichung noch zu bestehen. Nachdem nun die CDU auch umgeknickt zu sein scheint, stehen die Chancen bei der FDP wohl ganz gut, ist sie doch durch ihre guten Umfragewerte in ihrer Position gefestigt. Doch wie sich das entwickeln wird, wenn Opel wirklich kurz vor der Pleite steht, bleibt spannend.
Sicher ist indes, das Grab von Opel wurde bereits geschaufelt. Jahre des falschen Managements haben die Marke nicht auf die Zukunft vorbereitet. Wer dies nun in kürzester Zeit nachholen möchte, wird kläglich scheitern. Die Umstände sind widrig und machen es nahezu unmöglich alte Fehler wieder zu berichtigen. Diese Lektion wird Opel lernen. Der Staat kann nun nur noch für eine längere Leidenszeit sorgen, sollte sich aber davor hüten. Denn auch in Folge einer Pleite ist noch nicht das Todesurteil von Opel gesprochen. Möglicherweise findet sich ja ein mutiger Investor und lässt Opel als ein neues und zukuftsfähigeres Unternehmen wieder auferstehen. Wir sollten nicht vergessen, dass nach der Krise auch wieder ein Aufschwung kommt und das Opel wünschenswerterweise dieses mal die Zeichen der Zeit frühzeitig erkennt.
Der Wochenrückblick 2/09 (KW09)
Bestimmendes Thema diese Woche war wieder einmal Opel. Nachdem der Konzern sein Sanierungskonzept vorgelegt hat, hadert man mit der Entscheidung, ob sich der Staat an Opel beteiligen sollte oder nicht. Stimmen aus FPD und vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag lehnen eine Beteiligung strikt ab, wohingegen Christoph Matschie, Vorsitzinder der Thüringen-SPD, eine Beteiligung nicht ausschließen will, um Regionen nicht in die Strukturschwäche abrutschen zu lassen. Letztendlich scheinen die Befürworter zu optimistisch und die Gegner möglicherweise zu pessimistisch. Fakt ist jedenfalls, dass Opel zu wenig Autos verkauft. Dagegen helfen allerdings auch keine Staatsgelder.
Anfang der Woche hat zudem Bildungsministerin Annette Schavan für Aufregung gesorgt, als sie vorschlug, Manager aus der Wirtschaft in die Schulen zu schicken. Anfangs war der Vorschlag zum Ausgleich des Lehrermangels gedacht, doch schon einen Tag später ruderte die Ministerin zurück und relativierte ihre Aussage. Man wolle damit nur eine Verbindung zwischen Wirtschaft und Schule herstellen. Für mehr dürfte der Vorschlag auch nicht reichen.
Und zu guter Letzt  hat noch die Deutsche Bank die Aussichten für das Jahr 2009 getrübt. Die Bank geht für das Jahr 2009 von einer Schrumpfung der Wirtschaft in Deutschland um mindestens fünf Prozent aus. Diese fünf Prozent könnten allerdings auch noch unterschritten werden, sollte sich die Wirtschaft nicht im Sommer erholen.
Links:
Staatsbeteiligung bei Opel:
- dradio Kultur – Thüringer SPD-Vorsitzender schließt staatliche Beteiligung an Opel nicht aus “Christoph Matschie schließt eine Staatsbeteiligung an Opel nicht mehr aus”
- Die Zeit – “Wir alle sind Opel” “Für die Belegschaft von Opel liegt der Schuldige in Amerika”
- Die Zeit – Ein Konzept, keine Rettung “Das Rettungskonzept von Opel ist mutlos und zeigt, dass sich eine Rettung für den Staat nicht lohnen kann”
- Die Zeit – Guttenberg verlangt mehr Klarheit “Der neue Wirtschaftsminister zu Guttenberg ist nicht zufrieden mit dem Konzept von Opel, das noch sehr viel Fragen offen lässt”
- FAZ – Kritik an staatlicher Einmischung wächst “Die Stimmen gegen einen Einstieg des Staates bei Opel mehren sich, u.a. Stimmen aus der FDP und dem DIHK sprechen sich dagegen aus”
- Süddeutsche – Für Opel gibt es keine Zukunft “Opel ist nicht durch Staatsgelder zu retten da der Geldmangel nur ein Symptom, aber nicht die Ursache für die Krise ist”
Schavans Bildungsidee:
- Die Zeit – Lehrer rüffeln Schavan für “Karnevals-Gag” “Bildungsministerin will Angestellte als Lehrer-Ersatz in die Schulen schicken”
- Die Zeit – Schavans hilfloser Reflex “Der Vorschlag von Bildungsministerin Schavan ist kaum praktikabel und geht am eigentlichen Problem vorbei”
- TAZ – Hilfslehrer aus der Chefetage “Die Idee Lehrer durch Manager aus der Wirtschaft zu ersetzen wurde von der Bildungsministerin relativiert, denn die Idee kann den Mangel auch nicht beheben”
Wirtschaftskrise 2009:
- Tagesspiegel – Deutsche Bank erwartet dramatischen Wirtschaftseinbruch “Die Deutsche Bank geht von einer Schrumpfung der Wirtschaft für 2009 um mindestens 5 Prozent aus, wenn die Wirtschaft sich im Sommer erholt”
Die Wirtschaftskrise als Chance für Veränderung begreifen
Angestoßen von einem Beitrag von Harald Martenstein und von Tanja Dückers möchte ich einmal die Krise bei Opel beleuchten. Mir scheint, dass das Problem nicht bei Opel direkt liegt, sondern das wir es hier mit einem viel größeren übergeordneten Problem zu tun haben. Genau kann man das noch nicht absehen, doch möglicherweise werden wir in ein paar Jahren von der Postfordismuskrise sprechen und in einer dem Postfordismus nachfolgenden Wirtschaftsform leben.
Tanja Dückers spricht in ihrem Artikel immer von den Problemen des Fordismus. Eines dieser Probleme ist beispielsweise die Überproduktion durch Fließbandarbeit. Dadurch unterschlägt die Autorin allerdings, dass der Fordismus bereits in den 1970er Jahren vom Postfordismus abgelöst wurde. Die Frage, um die es in dem Artikel geht, bleibt allerdings die gleiche. Nämlich, wie man durch immer höhere Produktivität und weniger notwendige menschliche Arbeitskraft in Zukunft Geld und Nachfrage produzieren kann.

