Die Wirtschaftskrise als Chance für Veränderung begreifen
Angestoßen von einem Beitrag von Harald Martenstein und von Tanja Dückers möchte ich einmal die Krise bei Opel beleuchten. Mir scheint, dass das Problem nicht bei Opel direkt liegt, sondern das wir es hier mit einem viel größeren übergeordneten Problem zu tun haben. Genau kann man das noch nicht absehen, doch möglicherweise werden wir in ein paar Jahren von der Postfordismuskrise sprechen und in einer dem Postfordismus nachfolgenden Wirtschaftsform leben.
Tanja Dückers spricht in ihrem Artikel immer von den Problemen des Fordismus. Eines dieser Probleme ist beispielsweise die Überproduktion durch Fließbandarbeit. Dadurch unterschlägt die Autorin allerdings, dass der Fordismus bereits in den 1970er Jahren vom Postfordismus abgelöst wurde. Die Frage, um die es in dem Artikel geht, bleibt allerdings die gleiche. Nämlich, wie man durch immer höhere Produktivität und weniger notwendige menschliche Arbeitskraft in Zukunft Geld und Nachfrage produzieren kann.
An der aktuellen Krise rund um Opel, aber auch um Saab und alle anderen Automobilhersteller, wird deutlich, dass der Markt für neue Fahrzeuge gesättigt ist. Die Hersteller sehen sich also dem Problem gegenüber, wie sie weiterhin immer mehr Autos absetzen können. Neue Nachfrage durch höhere Löhne zu schaffen ist nicht möglich, da die herzustellenden Fahrzeuge dann auch teurer werden würden. Die höheren Preise würden wiederum die Nachfrage drücken. Neue Nachfrage durch die Erschließung von neuen Märkten, wie zum Beispiel China, sind nicht schnell und auch nicht einfach umzusetzen. Dafür braucht man Geld und Partner. Beides kann Opel nicht aufweisen. Um eine weitere Sättigung des Massenmarktes zu verhindern, werden einige Automobilkonzerne über kurz oder lang aus dem Geschäft ausscheiden müssen. Damit hat sich Saab bereits abgefunden und auch Opel wird sich damit spätestens nach der Bundestagswahl abfinden müssen.
Pleite und wie weiter?
Nun stellt sich aber die Frage, was zu tun ist, wenn einige Tausend Arbeitsplätze durch den Wegfall einiger großen Unternehmen, wie zum Beispiel Opel, verloren gehen. Dass sich etwas grundlegend ändern muss, an unserem Verhältnis zur Arbeit, zeigt die kürzlich abgelaufene Petition zum bedingungslosen Grundeinkommen.
Das wir uns in näherer Zukunft mit dem Problem konfrontiert sehen, dass die Produktivität die Nachfrage bei weitem übersteigt, daran habe ich keine Zweifel. Neue Technologien, allen voran der Einsatz von Robotern in Fabriken, ermöglicht es dem Menschen, gewisse Arbeiten nicht mehr verrichten zu müssen. Roboter erledigen die Arbeit in manchen Bereichen sehr viel produktiver als es der Mensch kann. Wir erleben eine stetige Steigerung der Produktivität durch den Einsatz neuer Technologien, die längerfristig dazu führen wird, dass immer weniger Menschen und ihre Arbeitskraft benötigt werden, um Waren herzustellen.
Leider ist in unseren Köpfen manifestiert, dass der Mensch arbeiten muss. Seit jeher hat der Mensch gearbeitet, allerdings erst seit kurzem gegen Bezahlung. Wenn es nun aber nur noch Arbeit für eine kleine Minderheit von Menschen gibt, woher bekommen dann die anderen restlichen Menschen ihr Geld zum leben? Für die Lösung dieses Problems braucht es Ansätze wie den des Grundeinkommens.
Einkommensplätze, wie sie Götz Werner nennt, bilden die Basis für den Erwerb von Einkommen. Dieses Einkommen wird heute benötigt um weiterhin zu gewährleisten, dass ein Mensch arbeiten und somit Einkommen erwerben kann. Ein Kreislauf, der anachronistisch anmutet und den es zu durchbrechen lohnt. Denn wie es Befürworter des Grundeinkommens bereits bemerkt haben, muss man nur einen sehr geringen Teil für das Grundeinkommen aufwenden, verglichen mit den monströsen Summen, die der Bund zur Rettung des alten, maroden Finanzsystems bereitstellt. Der eigentliche Teil, der für ein bedingungsloses Grundeinkommen notwendig ist, fließt bereits. Die Zahlungsströme müssen nur umgeleitet werden.
In einem Interview in der TAZ erklärt Götz Werner, welche Probleme es mit dem Grundeinkommen nicht mehr geben würde. Arbeit, so die Annahme, gibt es immer und für jeden. Nur das Geld, um vom Arbeiten angemessen leben zu können, das fehlt.(Als Beispiel hierfür sei die Ehrenamtliche Arbeit genannt.) Wenn der Staat es den Menschen nun also ermöglicht, genau die Arbeit zu verrichten, die ihnen gefällt und für die sie ihre Arbeitskraft einsetzen würden, weil sie nicht auf ein Einkommen angewiesen sind, dann würde die Produktivität jedes Einzelnen erheblich steigen. So moralische Fragen wie die, ob der Staat ein Unternehmen mit Steuergeldern retten muss, würden dann überflüssig.
Unsere Gesellschaft muss jetzt die Krise nutzen um die Koppelung von Arbeit und Lohn aufzulösen. Das ist eine der wichtigsten Aufgaben unserer Gesellschaft von heute. Wenn man endlich begreift, dass das Konzept der Koppelung von Lohn und Arbeit hinfällig ist, werden wir gestärkt aus dieser Finanz- und Wirtschaftskrise hervor gehen.

